Migration/Intégration – un serpent de mer
Migration/Integration – a long runner
Ein Gastbeitrag von Roland Krist
In den letzten 10 Jahren sind knapp 800.000 Menschen mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens fünf Jahren nach Österreich zugewandert. Wenn man die EU-Bürger im Sinne der Personenfreizügigkeit ausklammert, dann liegen anteilsmäßig folgende Herkunftsländer an der Spitze:Syrien, Somalia, Afghanistan, Irak. Bei der zahlenmäßig stärksten Bevölkerungsgruppe (Deutschland) sind es knapp mehr als die Hälfte, die länger als fünf Jahre bleiben ( z.B. Studenten). Die Zahl der Zugewanderten entspricht der Zahl der vier Bundesländer-Hauptstädte Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck.
Weitere Hintergrundfakten:
- Gesamtbevölkerung Österreich Stand 2024: ca. 9.200.000 (2000: 8 Millionen)
- Anteil ausländische Staatsangehörige Stand 1.1.2025: 1.855.000 (20,2%)
- Anteil jener mit Migrationshintergrund: 2.500.000 (28%). Vergleich zu 2014: 1.715.000, das sind: +46%. Wien: Migrationsanteil über 50%
- 65% aller Zugewanderten in Wien stammen nicht aus der EU!
- Arbeitslosenquote 2024: Österr. Staatsbürger 5,7%, Andere 10,5%. Vergleich: Türkei 15,4%; Afg/Syr/Irak: 31,3 %
- Personen in Grundversorgung mit Stand 01.01.2026: 53.000 (über 50% in Wien)
- Mindestsicherungs- und Sozialhilfebezieher: 200.000 (Wien: 142.000 =70%)
- Bildungswesen: Besorgniserregender Zustand! An stark überfremdeten Volksschulen wie in Wien verfehlt bis zu ein Drittel oder mehr der Schüler die Bildungsstandards.
- Asyl-Gesamtanträge 2015-2024: 433.000, davon 60% Männer + 150.000 Minderjährige (Zahl stark gestiegen)
- Sicherheit/Kriminalität: Anteil ausländischer Staatsangehöriger an Tatverdächtigen: 47% (bei 20% Anteil an Gesamtbevölkerung); Anteil an Inhaftierten mit ausl. Staatsbürgerschaft: 53%. Der Migrationshintergrund (selbst oder 1 Elternteil im Ausland geboren) ist hier nicht berücksichtigt
Grundsätzliches
In den letzten 10 Jahren hat sich das demographische Gesicht Österreichs stark geändert. Die längerfristige Zuwanderung ab 5 Jahren erfolgte vorwiegend aus wirtschaftlich schwachen Regionen („failed states“) mit einer archaischen Struktur und einer starken Bindung an konservativ-religiöse Vorschriften. De facto handelte es sich um eine Armutszuwanderung, welche nicht nur alle Institutionen (Gesundheitswesen, Schulen) heillos überfordert, sondern eine zunehmende Spaltung auch innerhalb der Gesellschaft („Wutbürger“) bewirkt.
Österreich hat sich nie als Einwanderernation definiert. Seit Beginn der Gastarbeiterzuwanderung war Migration praktisch ein Lotteriespiel, welche primär von wirtschaftlichen Interessen (Textilindustrie) geleitet war. Etwa Gastarbeiteranwerbung in Istanbul in den 60ern.
In der Migrationsdiskussion werden ständig Migrationsbegriffe vermischt, z.B. Asylwerber-anerkannter Flüchtling-subsidiär Schutzberechtigter -Wirtschaftsflüchtlinge. Der Sammelbegriff „Geflüchtete“ anstatt „Migrant“ ist ein typischer NGO-Begriff und wird z.B. von der Migrationsforscherin Judith Kohlenberger oder Caritas verwendet, um den humanitären Charakter zu betonen. Er verwischt aber die notwendige wissenschaftliche Differenzierung.
Narrative
- Narrativ 1 : „Flüchtlinge kommen nicht aus Jux und Tollerei“. Es ist nur durch Krieg und Bomben bestimmt und daher nicht steuerbar. Das ist Polemik, da sich in Asylverfahren gezeigt hat, dass die meisten potentiellen Asylwerber durch mafiöse Organisationenaus den Herkunftsländern geschleppt werden. Diese kriminellen Strukturen sind quasi Reiseveranstalter , welche Pakete von „Basic“ bis „VIP“ anbieten. Anmerkung: Siehe dazu auch die Presseberichte über die Zerschlagung der bislang größten Schlepperorganisation unter der Operation „Ancora“, welche Milliardengewinne machte: https://www.krone.at/4072694, https://www.bmi.gv.at/news.aspx?id=376A6E715A4541686F33673D
- Narrativ 2: „Flüchtlingsbewegungen lassen sich nicht aufhalten“. Falsch! Es ist keine Naturkatastrophe, die seit mind. 2010 über Europa hereingebrochen ist, sondern in Summe ein Versagen der Behörden auf nationaler und EU-Ebene (Dänemark hat eine Ausnahmeregelung beim EU-Vertrag, daher weniger Migranten und strengere Integrationsgesetze. Zusätzlich haben hoch subventionierte Asyl-NGO, welche nicht durch staatliche Wahlen legitimiert sind, nicht nur die Meinungshoheit in den Medien erobert, sondern betreiben eine Pro-Asyl-Agenda.
- Narrativ 3: „Die Genfer Konvention kann nicht gekündigt werden“. Falsch! Das ist grundsätzlich binnen Jahresfrist und Notifizierung an das UN-Notariat möglich. Die Genfer Konvention (GF) ist mit Ende des 2. Weltkriegs entstanden und in den 60er Jahren dann noch entscheidend adaptiert worden (Vietnamkrieg). Damals musste man eine rechtliche Ordnung finden, um die kontinentalen Flüchtlingsbewegungen lenken zu können. Die GF hat in ihren Grundzügen nicht vorausgesehen, dass es zu interkontinentalen Fluchtbewegungen kommen würde.
- Narrativ 4: Man muss illegal einreisen, damit man legal im Land bleiben darf (Zitat Judith Kohlenberger aus „Fluchtparadoxon“): Sie geht davon aus, dass ein „Rechtsanspruch auf Asyl“ auch besteht, wenn die Migranten mehrere Länder und Tausende Kilometer durchquert haben. Das ist nicht nur formal falsch, sondern auch eine naive Zuspitzung. Legale Migrationsmöglichkeiten hat es immer schon gegeben, z.B. RWR-Karte oder das Jobseeker-Visum. Es wird nur schlecht gemanagt. Inzwischen holt man z.B. Erntehelfer aus Nepal, weil das Sozialnetz in Österreich mit den Zumutbarkeitsgrenzen zu weit gespannt ist.
Zusammenfassung
Pullfaktoren: Die Entscheidung zur (Flucht-) Migration wird – im Gegensatz zur Ansicht von Asyl-NGO, welche Klientel-Politik betreiben – primär durch die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen im Aufnahmeland gesteuert. Ein wichtiger Faktor ist auch die Diaspora. Zum Beispiel lässt sich seit Jahrzehnten bei den meisten Migrationsgruppen bzw. Asylwerbern eine klare Form der Kettenmigration beobachten, Beispiele: Tunesier aus Gafsa, Inder bzw. Sikhs aus Kapurthala im Punjab. Syrische Asylwerber waren zuvor jahrelang in der Türkei oder im Libanon und kamen erst, als a) das Geld ausging und b) als sie sahen, wie leicht die Aufnahmebedingungen in Österreich und Deutschland waren. Sie erhielten ohne nähere Prüfung Asyl, oft innerhalb von drei Monaten. Migration kommt vor Integration. Das heißt, man kann nur so viele aufnehmen, wie es möglich ist und man muss die Voraussetzungen für Integration schon lange vorher schaffen. Man kann auch kein Haus ohne Fenster, Türen oder ohne ein Kanalsystem bauen. Australien sollte hier Vorbild sein.
Einige Forderungen
Österreich braucht ein unabhängiges Migrationsministerium (Migration-Integration-Asyl), welches auf die Ressourcen des Innenministeriums zugreifen sollte (Exekutive).
1. Es braucht kompetente Experten in den Herkunftsländern, Bsp. Asylattaches (diese wurden 2012 aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgeschafft)
2. Es braucht EU-weite Rückübernahmeabkommen mit Sanktionsmöglichkeiten, wenn die Abgewiesenen nicht zurückgenommen werden
3. Angesichts der Demographie, der Ermangelung einer nationalen Familienpolitik und des hohen Anteils an Pensionisten braucht es offenbar legale Zuwanderungsmöglichkeiten. Ein Aufenthalt muss aber strikt von der Erfüllung der Integrationserfordernisse abhängig gemacht werden
Ausblick
Ob und inwiefern der neue geplante EU-Asylpakt GEAS beschleunigte Verfahren und einen Rückgang der Asylwerber bewirken wird, ist zweifelhaft (zu wenig, zu spät). Es geht um EU-Verordnungen, die zunächst in das nationale Recht überführt werden müssen. Nach dem Prinzip „EU-Recht gilt vor nationalem Recht“, in Verbindung mit der migrationsfreundlichen Judikatur des EU-GH, ist damit zu rechnen, dass die österreichischen Behörden im Zweifelsfall entweder für den Asylwerber entscheiden werden bzw. der EU-GH in einem jahrelangen Verfahren angerufen wird, um grundsätzliche Streitfragen zu klären, bevor nationale Maßnahmen umgesetzt werden können.
Quellen: u.a. Statistisches Jahrbuch „Migration und Integration“ (2025)Hinweis: Inhalt wurde mit großer Sorgfalt recherchiert. Änderungen in der Rechtslage sind möglicherweise nicht berücksichtigt